Signifikante Ergebnisse: Pilot-Studie zu den Effekten der TPS bei schweren Depressionen

Transkranielle Pulsstimulation (TPS) neuerlich bei Depressionen untersucht

Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) ist Gegenstand anhaltender intensiver Forschung. Kürzlich wurde dies bei einem internationalen Expertenmeeting unterstrichen, an dem etwa 50 Wissenschaftler:innen aus 14 Ländern teilnahmen. Diese Veranstaltung verdeutlichte die dynamische Entwicklung in der TPS-Forschung, dank der bereits rund 10.000 Alzheimer-Patient:innen behandelt werden konnten.

Die Transkranielle Pulsstimulation ist aufgrund ihrer teilweise noch hypothetischen, aber immer besser verstandenen Wirkungsweise jedoch für andere neurodegenerative, neurophysiologische und psychiatrische Erkrankungen ein vielversprechendes Forschungsgebiet. Dies gilt nicht nur für Alzheimer-Demenz, sondern auch für andere Indikationen. Die Polytechnische Universität Hongkong, die bereits unabhängige Studien zu Alzheimer-Demenz, Autismus, ADHS und Depressionen bei jungen Erwachsenen veröffentlicht hat, führte kürzlich eine randomisierte, kontrollierte, einfach verblindete Pilotstudie zur Wirksamkeit der TPS in der Behandlung schwerer Depressionen bei Erwachsenen durch.

TPS kann die Symptome bei Erwachsenen mit schwerer Depression wirksam reduzieren

Das primäre Ziel dieser Studie war es, die Auswirkungen der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) auf den Schweregrad von Depressionen bei Erwachsenen in Hongkong zu untersuchen. Zu den sekundären Zielen gehörte die Untersuchung der Auswirkungen der TPS auf die Anhedonie-Symptome der Teilnehmer:innen, auf die instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL) und auf die Kognition sowie die Untersuchung, ob es nach der TPS-Behandlung zu Veränderungen der funktionellen Konnektivität im Gehirn der Teilnehmer kam. In der vorliegenden Arbeit haben sich Dr. Cheng und ihr Team allerdings dafür entschieden, sich zunächst auf die Auswirkungen des TPS über psychologische instrumentelle Scores zu konzentrieren. In weiteren Publikationen werden die Forschenden über die strukturellen und funktionellen Konnektivitätsveränderungen berichten.

Das Studiendesign entsprach dem Consolidated Standards of Reporting Trials (CONSORT)-Statement und den Richtlinien für gute klinische Praxis. Alle Proband:innen durchliefen vorab entsprechende Screening-Verfahren, um ihre Eignung sicherzustellen. Zudem wurde alle Personen vor der Behandlung einem fMRI-Scan unterzogen, der in der University Research Facility in Behavioural and Systems Neuroscience an der Polytechnischen Universität Hongkong, Hongkong, durchgeführt wurde. So wurde sichergestellt, dass die Gehirne der Teilnehmer:innen keine strukturellen Defekte, Tumore, Hirntraumata oder andere Gehirnanomalien aufwiesen.

Die Forschenden unter der Leitung von Dr. Teris Cheung hatten so 30 Proband:innen in ihre Studie aufgenommen.  Die Proband:innen wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der TPS-Gruppe oder der Wartelisten-Kontrollgruppe (WC) zugeteilt, wobei die Stratifizierung nach Geschlecht und Alter im Verhältnis 1:1 erfolgte. Das primäre Ergebnis wurde anhand der Hamilton Depression Rating Scale-17 (HDRS-17) bewertet. Die rekrutierten 30 Teilnehmer:innen waren zwischen 18 und 54 Jahre alt, überwiegend weiblich (73 Prozent) und chinesischer Abstammung.

Die Teilnehmer:innen erhielten eine zweiwöchige TPS-Behandlung mit sechs 30-minütigen TPS-Sitzungen. Das primäre Ergebnis (d. h. die Depression) wurde anhand der 17-teiligen Hamilton Rating Scale for Depression (HDRS-17) bewertet, um die Symptome der Depression und die Stimmung der Teilnehmer:innen zu messen. Die HDRS-17 ist eine weit verbreitete und zuverlässige Methode zur Messung von depressiven Symptomen und Stimmungslagen. Die Werte reichten von 0 bis 52, wobei höhere Werte eine schwerere Depression anzeigten. Eine klinische Reaktion wurde definiert als eine Verringerung des HDRS-17-Wertes um 50 Prozent oder mehr. Ein HDRS-17-Wert von ≤7 wurde als Indikator für eine Remission verwendet.

Hong Kong-Studie: Große und nachhaltige Effekte der Neurostimulation mit TPS

In der vorliegenden Studie wurde der dorsolaterale präfrontaler Cortex (DLPFC) gezielt stimuliert, um die Auswirkungen der TPS auf Depressionen zu untersuchen. Es gab eine signifikante Gruppe x Zeit-Interaktion (F(1, 28) = 18,8, p < 0,001). Darüber hinaus wurde in der TPS-Gruppe im Vergleich zur WC-Gruppe eine signifikante Verringerung des Schweregrads der depressiven Symptome festgestellt (mittlere Differenz = -6,60, p = 0,02 und Cohen’s d = -0,93). Die Ergebnisse zeigten einen signifikanten Interventionseffekt; darüber hinaus war der Effekt groß und bei der drei-monatigen Nachbeobachtung nachhaltig. Die Studie zeigt, dass das TPS die depressiven Symptome bei Erwachsenen mit schwerer Depression wirksam reduziert.

Nebenwirkungen der TPS-Behandlung waren nur selten und marginal zu beobachten: So berichteten nur einige wenige Proband:innen über Kopfschmerzen (vier Prozent). Keine/r der Proband:innen benötigte die Einnahme von Schmerzmitteln gegen kurzfristige Kopfschmerzen. Außerdem klagte nur eine Versuchsperson nach der ersten TPS-Behandlung über Übelkeit und Erbrechen. Die Symptome klangen jedoch innerhalb von zwei Stunden ab, und auch danach gab es keine derartigen Beschwerden mehr.

Fazit: Forschende sehen TPS als sinnvolle Top-on-Therapieoption bei Depressionen an

Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) ist das neueste technologische NIBS-Gerät, das sich in dieser Pilot-RCT als wirksam, sicher und nachhaltig bei der Verringerung der schweren depressiven Symptome bei Erwachsenen erwiesen hat, schreiben die Autor:innen. Sie kommen zu dem Schluss, dass die TPS durchaus als eine Top-On-Behandlungsoption angesehen werden kann, insbesondere für behandlungsresistente Patient:innen und solche, die eine rasche Genesung anstreben. Sie schlagen weitere multizentrische Studien vor, um die Placeboeffekte bei einer größeren Stichprobe herauszufiltern.

Quelle:

https://www.mdpi.com/1660-4601/20/3/2333